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niederösterreich kulturpreisträger 2004

21. 1. bis 19. 2. 2005

 

 

Bildende Kunst

Hermann Nitsch - Würdigungspreis
Petra Buchegger
- Anerkennungspreis
Veronika Dirnhofer
- Anerkennungspreis

 

 

Medienkunst (Künstlerische Fotografie)

Elfriede Mejchar - Würdigungspreis
Iris Andraschek- Anerkennungspreis
Robert Zahornicky
- Anerkennungspreis

 

Fotos aus der Ausstellung: 

 

Hermann Nitsch

 

Existenzsakrale Malerei, exzessive Aktion und Lebensliturgie

 

Zwanzig Jahre nach der Nominierung Hermann Nitschs für den Würdigungspreis des Lands Niederösterreich fällt einer zweiten Jury nun die Entscheidung zu mit den Kulturverantwortlichen das nachzuholen, was damals versäumt wurde ... Sicher kommt diese Würdigung von 2004 um Jahrzehnte zu spät, doch das Werk des 1938 in Wien geborenen Künstlers polarisiert nach wie vor, da Vorurteile und Nichtwissen auf beiden Seiten ein schwarz-weiß Denken erzeugten ...

... Ein solches Pro und Contra ist abzulehnen, um die wissenschaftliche Einordnung des verdienstvollen Lebenswerks im Rahmen einer internationalen aktionistischen Bewegung der 60er bis 80er-Jahre Berufeneren zu überlassen als den Skandal witternden Zeitungen und ihren Lesern und Leserinnen.

Wer zu Nitschs Schüttbildern und seiner seit 1957 in zahlreichen tagelangen Aktionen seines Orgien Mysterien Theaters (OMT) erarbeiteten Gesamtkunstwerkidee wirklich mehr wissen will, sollte die zahlreichen Dissertationen, Katalogtexte, auch die 1987 von Werner Hofmann im Kunstforum international verfasste Kritik lesen und auch die über tausend Seiten füllenden Kommentare des Künstlers selbst zu seiner Erweiterung von Kunst (Theater, Musik und bildende Kunst synästhetisch zusammengefasst in einem Gesamtkunstwerk nach Richard Wagner) ...

Brigitte Borchhardt-Birbaumer

 

Petra Buchegger

 

Frau sein jenseits von FrauenBildern

 

Wenn Petra Buchegger am Frauenbild ein Stück Theorie an der eigenen Arbeit prüft, geschieht dies unter dem Gesichtspunkt einer Genealogie, die sie in die Rolle der weiblichen Vorfahren schlüpfen lässt, um anhand von Vergleichen das Eigene aus dem Vorhergehenden erfahrbar zu machen. Oft ist es dabei die Kleidung, die den Part der Narration übernimmt und auch symbolhaft eingesetzt wird. Ihre Serie «Kleider machen Leute» verarbeitet Kriterien von Mode, Werbung und Vermarktung ebenso wie sie Mode als Projektionsfläche untersucht ...

... Die Kittelschürze, so die Künstlerin, betont eine Kontinuität einer weiblichen Genealogie und unterstreicht die Bedeutung für die eigene Identitätssetzung. In vielen Werkgruppen, die aus Zeichnungen, Objekten oder Projektionen bestehen, greift Petra Buchegger immer wieder eine ähnliche Thematik auf, etwa in den »Projizierten Frauenbildern«, in denen sie das eigene mit dem fremden Bild überblendet...

 

Textauszüge von Susanne Neuburger

 

Veronika Dirnhofer

 

Der erste Eindruck

 

Gerade noch mit ausgestreckten Armen fassbare, menschengroße Bilder, offen und dicht zugleich, intensiv färbig - nicht bunt! Deckende Stellen korrespondieren mit lasierten Farbaufträgen, strenge (auch geometrische) Elemente mit frei gesetzten Pinselstrichen, welche sich zu figurativen Elementen formen können. Gekonnt lässt sie den weißen Bildgrund als Teil der Komposition stehen, schemenhaft deuten sich Formen an, Bildebenen öffnen

sich und werden zu einem Ganzen.

Veronika Dirnhofer betreibt keine illustrative Malerei ...

Köpfe, Figuren gezeichnet oder mit dem Pinsel skizziert, dann wieder flächig mit fließenden Farben gemalt, sind in erster Linie der Malerei verpflichtet. Die Wirklichkeit muss sich dem Bild unterordnen! ...

... Eine besondere Stärke ihrer Arbeit ist es, dass man nicht merkt, wie die scheinbar rasch hingeworfenen Formen einem vielschichtigen, längeren Prozess zugrunde liegen. Was sichtbar bleibt, ist eine Reise in die Bilderwelt von Veronika Dirnhofer, das Zeichen malerischer Intelligenz.

Textauszüge von Helmut Swoboda

 

Elfriede Mejchar

 

Fotodokumente

 

Elfriede Mejchar (1924 in Wien geboren, in Niederösterreich aufgewachsen) ist eine besondere Fotografin: Sie übte die Fotografie als Beruf aus und widmete ihre Arbeit für das Bundesdenkmalamt der Dokumentation des österreichischen Kulturguts. Gleichzeitig und parallel zu ihren Arbeiten «im Auftrag» entwickelte sie ihre eigenen inhaltlichen Schwerpunkte, Themenfelder, die sie in großen Werkgruppen, zum Teil über Jahrzehnte hinweg, fotografisch bearbeitete. Ein erstaunlich vielschichtiges Werk ist so entstanden, das uns in allen seinen Facetten die sehr persönliche, authentische Haltung von Elfriede Mejchar zur Wirklichkeit nahe bringt.

Erstaunlich, vor allem im Rückblick, ist die Serie von Porträts österreichischer Künstler (1959-1962).

Ein weiterer wichtiger Aspekt ihres Werkes (und wohl ihrer Persönlichkeit) ist ihre Vorliebe für das abseits Liegende: für Landschaften, Gegenden in der Zwischenzone von Stadt und Land gelegen; für heruntergekommene Architekturen, die Zeugen ehemals intensiver industrieller Nutzung sind ...

Textauszüge von Christine Frisinghelli

 

Iris Andraschek

 

Im Spiegel der Kamera

 

Soziologische Konstrukte, Menschen in ihren Lebensräumen bieten die Basis für eine Vielzahl der Werke von Iris Andraschek. Durch genaue Beobachtung und intensive Recherche entwickelt sie Studien des schützenden Raums, die in auf Fotografie basierenden Arbeiten festgehalten werden. Zufällige Begegnungen, Vertraute und Freunde finden sich als Ausgangspunkte des künstlerischen Diskurses. Seit längerem ist die Künstlerin mit dem Thema Hausund Obstgärten beschäftigt. Mitten in dieser Werkgruppe, die 2001 in Niederösterreich begonnen und seit 2002 in Kanada weitergeführt wurde, findet sie durch die Begegnung mit einer aus Deutschland nach Kanada emigrierten Frau zu einem neuen Projekt. »Best left at hörne with friends«, aus einem Gedicht des vier Tage vor dem Waffenstillstand im Alter von 25 Jahren an der Front gefallenen englischen Lyrikers Wilfred Owen, wird zum Überbegriff der neuen Serie. In Konfrontation mit den unglaublichen psychischen Belastungen, die der allem übergeordnete Wunsch des Überlebens mit sich bringt, finden sich bei Owen und der deutschen Emigrantin klare Parallelen wieder: Um zu überleben ist die Frau als Köchin im örtlichen Bioladen, als Aktmodell und als esoterische Praktikerin tätig. Zusammen mit den Kindern und einer Freundin lässt sie sichauf einen inszenierten Diskurs mit der Kamera ein ...

Textauszüge von Inge Nevole

 

Robert Zahornicky

 

Hawking hat sich geirrt oder Zerschnipselte Informationen

 

»Ich denke an Signale aus dem Kosmos, durch das Hintergrundrauschen möglicherweise eingeschränkt, in denen Botschaften verborgen sein können.«

Robert Zahornicky

Viele Arbeiten von Robert Zahornicky basieren darauf, dass es die

verschiedensten Erscheinungsformen ein und des selben Dings

gibt ...

... Wenn er in seiner Arbeit «Schrift-Stücke» Micky Maushefte aus seiner Jugend, Telefonbücher, Zeitschriften, alte Adressbücher, Bedienungsanleitungen und Landkarten im Aktenvernichter zerstückelt und mit seinem Blick durch die Kamera wieder neu zusammensetzt, dann baut er Skulpturen aus dichtestem Informationsmaterial. Neue Universen entstehen, neue Zusammenhänge, neue Texte - in einer Sprache, die erst durch die Wahrnehmung des Betrachters lesbar wird ...

Textauszüge von Andrea Sodomka