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niederösterreich kulturpreisträger 2002

31. 1. bis 22. 2. 2003

 

Bildende Kunst

Johanna Kandl - Würdigungspreis
Claudia Klucaric
- Anerkennungspreis
Karin Frank
- Anerkennungspreis

 

Medienkunst (Videokunst, digitale und spartenübergreifende Medien)

Univ.- Prof. DL Bernhard Leitner- Würdigungspreis
Erwin Redl
- Anerkennungspreis
Jutta Strohmaier
- Anerkennungspreis

Fotos aus der Ausstellung:

 

Johanna Kandl:

Das... "immer noch malen" ist ein wesentlicher Aspekt in der Arbeit der Künstlerin, denn der Verlangsamungseffekt macht aus dem Schnappschuss ein Historienbild oder zumindest eine Genreszene. Die Verfremdung basiert auf der "gestundeten Zeit" (I. Bachmann) und lässt den Betrachter einen Standpunkt jenseits der Tagesaktualität erkennen. Denn die Künstlerin konfrontiert in realen Bildern eines "narrativen Realismus" (der durchaus als Anspielung auf den historischen "sozialistischen Realismus" gesehen werden kann), Menschen in ihrer Umgebung mit verstörenden Floskeln aus Zeitungsschlagzeilen und einer globalen Wirtschaftssprache, die jeglichen Bezug zum Menschlichen verloren hat. Die kalte ökonomische Sprache zeigt in den Bildern der Malerin auf, wie brüchig die Eliten des westlichen Kapitals sind. Die Montage ist hochpolitisch; sie verweist auf die ethischen Verschiebungen in Fragen von Gemeinschaft und gibt die Möglichkeit einer "zweiten Option"...

Claudia Klucaric:

Ich habe Bildhauerei studiert, aber schon früh begonnen, das Medium, das der Umsetzung meiner Vorstellung am besten entspricht, dem jeweiligen Projekt entsprechend zu wählen.

Die innere Haltung, die ich zu einem Thema entwickle, bestimmt meine Arbeitsweise; diese umfasst daher Video, Zeichnung und dreidimensionale Arbeiten wie Objekte und Rauminstallationen genauso wie Literatur.

Kommunikation als "in Bewegung befindliche Unklarheit", Begegnungen und Bindungen jeder Art, ihre Unmöglichkeit und ihr Gelingen, ihre Zufälligkeit wie ihre Bidingungslosigkeit - die stets wechselnden Verhältnisse zwischen Nähe und Isolation stehen im Zentrum meines Interesses.

Aus der 40teiligen Graphikserie GAZE entwickelte (s)ich das Nachfolgeprojekt EINE ANALYISCH-POETISCHE ANNÄHERUNG, eine mehrteilige Videoarbeit, mit dessen erstem Teil NICOLA in den Wettbewerb beschickte.

Die Vermittlung von Atmosphärischem und Transfaktischem ist mir darin ein besonderes Anliegen."

Karin Frank:

"Holz ist mein bevorzugtes Material, auch weil es dem Aussehen von Haut am nächsten kommt. Der Farbe gebe ich dabei einen eigenen Stellenwert. In den neueren Arbeiten bin ich dazu übergegegangen, die Haut selbst in der Art des Inkarnats mit Farbe anzulegen. In jüngerer Zeit habe ich begonnen, das Thema "Stoffwechsel" auf skulpturale Weise darzustellen. Ich bin dabei, das Motiv sukzessive zu verändern, mich einer drastischen Darstellung anzunähern. Beeinflusst durch meine Aufenthalte in Russland/Sankt Petersburg, wo sich viele Flüsse und Seen befinden, beschäftige ich mich auch mit der Landschaft. Der Bezug zu einem spezifisch psychologischen, nationalen oder geschichtlichen Umraum ist in meiner Arbeit immer der Ausgangspunkt."

Bernhard Leitner:

"Wie ich zu diesem grenzüberschreitenden künstlerischen Gebiet gekommen bin, ist nicht einfach nachzuvollziehen. Jedenfalls hat sich um 1968 die Idee >Tonraum< konkretisiert, auf mehreren Kanälen gespeist beziehungsweise befruchtet... Dabei ging es mir nicht darum, musikalisch-räumlich zu denken wie etwa Stockhausen oder Nono, sondern gestalterisch, bildend mit Klang zu arbeiten.

Dazu kam noch mein großes Interesse an technischen Instrumentarien in der Kunst des 20. Jahrhunderts, sowohl in der elektroakustischen Musik als auch in der Licht- und Bewegungskunst. Das floss alles zusammen zu einer Idee: Der Klang ist nach der revolutionären Entwicklung der Tontechnik heute in einer solchen Exaktheit produzierbar und reproduzierbar, dass ich ihn als Material, als künstlerisch-gestalterisches Material verwenden kann..."

Leitner verwendet hier bewusst den Terminus Ton anstelle von Klang, um eine deutlichere Distanz zum Musikalischen zu gewinnen. Ton ist nicht mehr ein Synonym für Musik, sondern für akustisches Material, das in besonderer Beziehung zum Raum steht, in so ferne es die Möglichkeit bringt, neue Raumfindungen zu konstruieren. "Ton-Tor", "Kreuzung", "Ton-Platz", "Walzer-Gang" sind erste Werke eines Denkens von Raum als Ton, das sich anzunehmend als "Sound Architecture" zu begreifen begonnen hat...

Mag. Carl Aigner

Erwin Redl:

Kunst ist überall - folglich also auch im Internet. Die Arbeit von Erwin Redl reflektert über mögliche künstlerische Positionen nach der "Digital Experience." Spätenstens nach der "digitalen Erfahrung" ist auch ihr Auftritt im Internet eingeläutet, dem Leitmedium der globalen Hochgeschwindigkeitsgesellschaft. Eine Gruppenausstellung 1996 in der Postmasters Gallery, New York, trug den symptomatischen Titel: "Can you Digit?" Das doppeldeutige Wortspiel meint auch: "Hältst Du's noch aus?" Redls Internetwerke heißen "You and me?" (1997), oder: "Truth is a moving target." Dem virtuellen Charakter des Digitalen setzt Redl temporäre und permanente Installationen entgegen - scheinbar, denn: "Der formale und strukturelle Ansatz in den verschiedenen verwendeten Medien wie Installation, CD-ROM, Internet und Sound benötigt beinahe binäre Logik, da ich das Material nach strengen selbstauferlegten Gesetzen anordne. Jene Regeln beinhalten oft Algorithmen, kontrollierte Zufallsoperationen und ähnliche Methoden, wie sie von Computercodes inspiriert sind." Bei der Whitney Biennale 2002 zeigt er eine architektonische Lichtinstallation and der Fassade des Whitney Museums. "Visuelle Wahrnehmung kann nur in Verbindung mit einer Bewegung des Betrachters im Raum zur vollen Entfaltung kommen und involviert Zeit als zusätzlichen Parameter."

Jutta Strohmaier:

...Jutta Strohmaier verwandelt ihr Interieur in das Bild eines Raumes, in dem sich Außenraum und Innenraum durchdringen. Da diese Durchdringung von symbolischer und allein bildhafter Natur ist, erscheint ihre Entscheidung, diese Verwandlung auch nur in der Form von Bildern zur Diskussion und auszustellen konsepuent. Und diese Bilder sind flach. Diese Flachheit ist von Belang, um die Verwandlung des Raumes in ein Bild nicht zu unterschlagen bzw. vergessen zu machen. Denn die Gleichsetzung des Raumes mit dem Bild des Raumes wäre blßer Illusionismus. Aber hier steht eine andere Erfahrung zur Diskussion: Die Erfahrung, dass wir unentwegt mit Bildern verschiedener Räume - unabhängig von ihrer topographischen oder geographischen Lokalisierung - konfrontiert werden und dass diese Bilder von Räumen unseren Raumbegriff und unsere Vorstellung von Raum "grundsätzlich" prägen. Mit anderen Worten: Wir kennen unterschiedlichste Räume, ohne diese jemals leibhaftig gesehen und durchquert zu haben. Allein das vermittelte Wissen um diese Räume verändert aber die Wahrnehmung und das Wissen um den Raum, der uns auch erfahbar umgibt. Die Assoziierung dieses erfahrbaren Raumes selbst mit einem bild, oder dessen Wahrnehmung nach den Bedingungen seiner Bildhaftigkeit, leigt nahe...